Aktuell

Untreue durch Mitarbeiter

//
Kategorie

Krefeld – In  den vergangenen Monaten und Jahren hatten wir uns für unsere Mandanten mehrfach mit dem Problemkreis der Veruntreuung von Geldern durch Mitarbeiter zu befassen. Diese Vorgänge haben stets natürlich eine strafrechtliche,arbeitsrechtliche, aber auch eine zivilrechtliche Implikation die die Betroffenen vor große Probleme und existenzielle Fragen stellt.

Der Verfasser hat die Fälle von Untreue sowohl aus Sicht des Arbeitgebers, aber auch als Verteidiger aus Sicht des veruntreuenden Arbeitnehmers betreut, so dass durchaus eine differenzierende Sichtweise vorhanden ist.

Erstmalig in größerem Umfang erfolgte eine Beschäftigung anhand eines besonderen Falles, innerhalb der von mir vertretenen Mitarbeiterin vorgeworfen wurde an ihrem Arbeitsplatz – pikärerweise einer Rechtsanwaltskanzlei – Gelder in 6-stelliger Höhe veruntreut zu haben. Die Mandantin war zuständig für die Buchhaltung und Kassenführung und konnte somit auch Transaktionen veranlassen.

Die Arbeitgeber führten in den späteren Prozessen aus, dass ein besonderes Vertrauensverhältnis vorgelegen habe, und es daher lediglich oberflächliche Kontrollen gegeben habe. Nach einer vermeintlichen Überprüfung aller Kontounterlagen sei man zu dem Ergebnis gelangt, dass eine Summe von nahezu 150.000 Euro fehlen würde, wobei diese Zahlen im Rahmen des Verfahrens noch “nach oben” korrigiert wurden.

Nach Entdeckung wurde die Mitarbeiterin konfrontiert und unterschrieb ein abstraktes Schuldanerkenntnis, was uns im folgenden Verfahren vor große Probleme stellen sollte.

Nachdem immer weitere Leistungen durch den Arbeitgeber eingefordert wurden entschloss Sie sich zu einer Beratung und Beauftragung von uns – bedauerlicherweise erst zu einem so späten Zeitpunkt.

Der Versuch eine vergleichsweise Regelung der Angelegenheit zu erreichen scheiterte letztlich an der persönlichen Betroffenheit der Kollegen und dem – nachvollziehbar- verletzten Stolz, so dass im Ergebnis die Strafanzeige und zivilrechtliche Auseinandersetzung unvermeidbar wurde.

Die Anfechtung des Schuldanerkenntnisses aufgrund der von uns geschilderten Drohsituation scheiterte, da nach Ansicht des Gerichtes die Konfrontation und Auseinandersetzung einer Mitarbeiterin mit 5 Rechtsanwälten / Steuerberatern keine Drucksituation sei – wir sehen dies nach wie vor etwas differenzierter, mussten jedoch mit diesem Urteil leben, so dass es zivilrechtlich letztlich bei der Zahlungsverpflichtung in Höhe des abgegebenen Schuldanerkenntnisses verblieb.

Das Strafverfahren wurde von Beginn an durch mich begleitet und verlief erwartungsgemäß etwas anders.

Auffallend und prägnant war für mich, dass die Kollegen nicht etwa alle Unterlagen und Kontoauszüge vorlegten, sondern lediglich eigene Listen erarbeiteten. In Gesprächen behauptete die Mandantin beharrlich, dass es dort stets Unregelmäßigkeiten gab, so dass naheliegend war Druck aufzubauen und ein Geldverkehrsgutachten zu erzwingen. Wir hatten den Eindruck, dass eventuelle Unregelmäßigkeiten jetzt hier zu Lasten der Mandantin korrigiert werden sollten.

Die Arbeitgeber mauerten und die Staatsanwaltschaft hatte an einer ernsthaften Ermittlung kein Interesse, sondern erhob “auf gut Glück” Anklage zum Schöffengericht unter weitestgehender Verwendung der durch die Kollegen gelieferten Zahlen – Schaden knapp 100.000 Euro.

Ich machte daraufhin Einwendungen gegen die Eröffnung des Hauptsacheverfahrens geltend und beantragte das Verfahren im Hinblick auf §203 StPO nicht zu eröffnen – dem schloss sich das Gericht an und die Staatsanwaltschaft nahm letztlich die Anklage zurück und korrigierte diese auf einen Schaden von 47.000 Euro nach unten.

Im Rahmen der Hauptverhandlung war eine äußerst erfahrene Staatsanwältin aus dem Bereich des Wirtschaftsstrafrechtes als Sitzungsvertreterin anwesend und durfte ein Teilgeständnis der Mandantin entgegennehmen. Sie hörte sich sehr aufmerksam an was wir zu sagen hatten und die Stimmung im Gerichtssaal änderte sich spürbar. Als Zeugen waren die Kollegen geladen, wobei der Sachbearbeiter zunächst vernommen wurde.

Ich selbst hatte in der Vorbereitung für meine Befragung insbesondere den Punkt der Kontrollmechanismen herausgearbeitet, kam jedoch nicht dazu diese Fragen zu stellen, da die Frau Staatsanwältin mir diese vorweg nahm und den Zeugen in ungewohnter Schärfe befragte. Dieser wechselte sichtlich die Gesichtsfarbe. Es stellte sich heraus, dass es tatsächlich überhaupt keine Kontrollen gegeben hat und es mehrten sich die Verdachtsmomente, dass hier nicht von der Mandantin verschuldete Unregelmäßigkeiten bereinigt werden sollten.

Letztlich wurde die Angeklagte zu Recht zu einer kleinen Freiheitsstrafe zur Bewährung wegen veruntreuender Unterschlagung verurteilt.

Dieser kleine Fall ist in vielerlei Hinsicht ein Lehrstück. Zunächst ist es für den Betroffenen in jedem Fall zu unterlassen ein Schuldanerkenntnis ohne vorherige Konsultation eines Rechtsanwaltes abzugeben. Sofern ein solches in der Welt ist, kann sich derjenige im Rahmen der zivilrechtlichen Auseinandersetzung nahezu nicht mehr verteidigen.
Zum Anderen ist ebenfalls deutlich, dass dem Betroffenen regelmäßig alle Fehlbeträge zur Last gelegt werden, unerheblich ob er diese verschuldet hat oder nicht. Ganz wesentlich für die Strafzumessung im Rahmen der Vermögensdelikte ist jedoch auch und gerade die Schadenshöhe, so dass in jedem Fall versucht werden muss diese so gering als möglich zu halten.

Aus Sicht des Arbeitgebers ist sicherzustellen, dass das 4-Augenprinzip eingehalten wird und auch langjährige Mitarbeiter ordnungsgemäß zu überwachen sind. Je nach Größe des Unternehmens kann hier ein Compliance System mit eindeutig vorgegebenen Handlungsanweisungen und Kontrollen notwendig werden.

 

Wenn Sie in einer ähnlichen Situation sind oder als Arbeitgeber eine solche nicht erleben möchten stehen wir Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite – bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf.