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Mordversuch: 4,5 Jahre Haft

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Die RP-Online mit ihrem Redakteur Norbert Stirken berichtet in Ihrer Onlineausgabe vom 22.12.2016 über den hier begleiteten Prozess mit dem Vorwurf des versuchten Mordes in Traar:
„Ein 18-Jähriger aus Krefeld muss wegen versuchten Mordes an seinem einstmals besten Freund viereinhalb Jahre in Haft. Dieses Urteil fällte das Landgericht Krefeld. Der Schüler hatte ein Geständnis abgelegt. Der 18-jährige Traarer, der im Juni versucht hat, seinen besten Freund heimtückisch mit mehreren Messerstichen zu ermorden, wurde am Donnerstag von der Großen Strafkammer des Landgerichts Krefeld in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen.“

Der Sachverhalt des zugrundeliegenden Falles war zunächst recht simpel und durch objektive Beweismittel sehr schnell klar. Zudem legte der Angeklagte bereits im Ermittlungsverfahren ein Geständnis ab. Die Erwartung der Angehörigen an das Verfahren war die Hintergründe und Motivation des ehemaligen besten Freundes zu erfahren – dieser Hoffnung konnte der Prozess jedoch nicht gerecht werden.

Ist die ausgeurteilte Strafe von 4,5 Jahren Jugendstrafe für einen versuchten Mord angemessen ?
Die Anwendung des Jugendstrafrechts führt zu einer veränderten Ausgangslage, da im Gegensatz zum Erwachsenenstrafrecht in erster Linie der Erziehungsgedanke zu berücksichtigen ist – also die Fragestellung welcher Zeitspanne es Bedarf um den Verurteilten „nachzuerziehen“. Diese Fälle sind also nicht vergleichbar mit Kapitalstrafverfahren von Erwachsenen.

Gleichwohl war das Urteil aus Sicht der Nebenklage, die durch Rechtsanwalt Cörper vertreten wurde, nicht angemessen.

„Der Anwalt des Geschädigten, der als Nebenkläger auftrat, hielt die beantragte Strafe für zu gering. Es sei nur mehreren glücklichen Umständen geschuldet, dass sein Mandant die Nacht des 19. Juni lebensgefährlich durch vier Messerstiche verletzt überlebt habe. Der Täter sei maskiert aus dem Gebüsch gesprungen, habe den 17-Jährigen mit Pfefferspray und Butterflymesser attackiert, ihn anschließend über eine Strecke von gut 500 Metern verfolgt und mehrfach erneut versucht, ihn zu töten.

Sein Mandant habe in dreifacher Hinsicht Glück gehabt. Als erstes habe ein Ehepaar mit dem Auto gehalten und ihn aus dem Gefahrenbereich mitgenommen. Zum zweiten sei in der angesteuerten Eisdiele kompetent Erste Hilfe geleistet worden, und zum dritten sei die Notfallrettung schnell eingetroffen, um den lebensgefährlich verletzten 17-Jährigen ins Helios-Klinikum zu bringen. Der Angeklagte habe Wochen vor der Tat schriftlich einen Mordplan verfasst, ihn in die Tat umzusetzen versucht, und auch nicht von ihm abgelassen, als er während des Tatverlaufs zu Änderungen kommen musste.“ (zitiert nach RP-Online, wie zuvor).

An dieser Stelle sei den Ersthelfern für Ihre umsichtige Vorgehensweise nochmals ausdrücklich gedankt.

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung erklärten noch im Gerichtssaal den Verzicht von Rechtsmitteln. In der Zwischenzeit ist das Urteil rechtskräftig geworden und damit abgeschlossen.

Für alle Beteiligten bleibt ein unbefriedigendes Gefühl zurück, da die Motivation für diese Tat nicht offenbart wurde. Für meinen Mandanten bedeutet dies leider auch, dass die Aufarbeitung und Bewältigung des Traumas erheblich schwieriger und eine lange Zeit in Anspruch nehmen wird.

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