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Fortbildungen

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Krefeld – Die letzten Blog-Einträge liegen nunmehr eine längere Zeit zurück, was nicht etwa darauf zurückzuführen wäre, dass keine berichtenswerte Ereignisse stattgefunden hätten, sondern vielmehr eher dass es zuviele davon gab.

Tatsächlich konnten in der Zwischenzeit eine Vielzahl an interessanten Verfahren maßgeblich beeinflusst und in Teilen auch beendet werden – insoweit werden ggf. nochmals gesonderte Berichte erfolgen.

Die Bundesrechtsanwaltsordnung sieht eine Fortbildungsverpflichtung für Rechtsanwälte vor, die für Fachanwälte noch einmal verschärft gilt. Ungeachtet dieser gesetzlichen Verpflichtung wird das Thema Fortbildungen in unserer Kanzlei mit großer Aufmerksamkeit betrieben, weil dies -unter anderem- nach unserer Philosophie und Beobachtung den guten von dem weniger guten Rechtsanwalt unterscheidet, und sich in der täglichen Arbeitspraxis positiv für den Mandanten auswirkt.

Für den Strafverteidiger gilt dies nach meiner Auffassung noch mehr wie für viele andere Rechtsanwälte, da dieser sich nicht nur mit juristischen Problemen befassen muss, sondern es vielmehr stets Schnittmengen zu naturwissenschaftlichen Gebieten gibt, die für eine effektive Strafverteidigung beherrscht werden müssen.

Beispielhaft sei nur auf das Fachgebiet der Aussagepsychologie für die Beurteilung von Zeugenaussagen, oder etwa die forensisch-technischen Wissenschaften z.B. um DNA-Gutachten verstehen und interpretieren zu können.

In den vergangenen Monaten durfte ich selbst an Seminaren zu folgenden Schwerpunkten teilnehmen:
– Strafverteidigung von Ausländern – Ausländerrechtliche Folgen strafrechtlicher Sanktion
– Verteidigung in Steuerstrafsachen ( im Hinblick auf die Neuerungen der Selbstanzeige )

– Tagung des Arbeitskreises Psychologie im Strafverfahren, u.a. mit folgenden Themen:
VorsRiBGH Prof. Dr. Thomas Fischer: Feststellungs- und Beweisprobleme bei sexueller Nötigung/Vergewaltigung
Prof. Dr. Luise Greuel: Wirklichkeit-Erinnerung-Aussage; gedächtnispsychologische Aspekte
Prof. Dr. Renate Volbert: Über die Vermeidung von falsch Positiven und falsch Negativen in aussagepsychologischen Gutachten
Prof. Dr. Barbara Krahé: Vergewaltigungsmytghen: Auswirkungen auf die Beurteilung von Opfern
und anschließender hitzig geführter Diskussion um das Thema “Justitielle Probleme bei der Verfolgung von Vergewaltigungsvorwürfen”

– Strafverteidiger vs. Staatsanwalt

– 8. Petersberger Tage “Fehlerquellen in Strafprozess – Ursachen und Lösungen” mit prominenter Besetzung, unter anderem von Richtern des Bundesgerichtshofes

Zwar ist der Besuch der Seminare und Fortbildungen mit nicht unerheblichem -auch finanziellen- Aufwand verbunden, allerdings bin ich mir aus eigener Beobachtung sicher, dass sich dadurch ein erheblicher Mehrwert für die von hier betriebenen Verfahren bildet und die Diskussion mit den übrigen Verfahrensbeteiligten stets auf dem aktuellen Stand der Technik und Debatte geführt werden kann.
Bedauerlicherweise und in höchtem Maße unverständlich gibt es eine solche Verpflichtung zur Fortbildung für Staatsanwälte, Polizeibeamte und auch Richter nicht, so dass es deren persönlicher Einschätzung und dem eigenen Engagement überlassen bleibt, ob Fortbildungen wahrgenommen werden. Mein persönliches Erleben ist diesbezüglich sehr gemischt und wird nahezu von den Extremen dominiert – hervorragender oder unzureichender Wissensstand der Verfahrensbeteiligten. Es bedarf keiner weiteren Erörterung, dass insbesondere die letzte Fallgruppe die Verteidigung erheblich erschwert, und selbstredend einem rechtsstaatlichen Verfahren nicht angemessen sind.

Es bleibt zu hoffen, dass auch auf justitieller Seite trotz knapper Kassen entsprechende Veränderungen im Sinne eines professionellen Strafverfahrens eintreten. Wir werden diesen Weg in jedem Fall gemäß unserer Philosophie weitergehen und ich freue mich bereits auf die nächsten Seminare über “Besonderheiten der Verteidigung im Sexualstrafrecht” und “Moderne Strafverteidigungsstrategien”.

Rechtsanwalt Tim Cörper